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Volksbegehren: Wahlfreiheit G8-G9

Der Startschuss der Freien Wähler Bayerns zum Volksbegehren für die Wahlfreiheit zwischen dem G8 und dem G9 ist gefallen. Aus diesem Grund kam der bildungspolitische Sprecher der Freien Wähler, MdL Günther Felbinger, persönlich nach Neustadt ins DJK-Sportheim, um das Konzept vorzustellen.

Felbinger bezeichnete die Bildung als höchstes Gut, ist sie doch für die Zukunft unseres Landes unerlässlich. „Seit zehn Jahren wir nun schon am G8 gebastelt und repariert, ohne die Unzufriedenheit beseitigen zu können“, so der Landtagsabgeordnete. Es wurde in einer Nacht und Nebelaktion eingeführt, der Lehrstoff einfach auf acht Jahre verdichtet, dann etwas reduziert und die Inhalte wurden nicht aufeinander abgestimmt, vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich. Dies führte unweigerlich zu hohem Leistungsdruck, viele Familie seinen G8 infiziert und die Zeit zum Leben fehlt. Mit dem früheren Abschluss geht auch eine fehlende Reife der Abiturienten einher. Selbst Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch spricht davon, dass die Jugendlichen nicht mehr studierfähig seien.

„Viele wissen überhaupt nicht, dass zum Zeitpunkt der Einführung des G8 bereits ein nagelneuer Lehrplan für das G9 vorlag und dieser dann einfach im Papierkorb verschwand“, ergänzte Felbinger. Studien haben bewiesen, dass die Vereinsaktivitäten um ein Drittel zurückgingen und viele Vereine keine Jugendgruppen mehr bilden können. Weiterhin ist die Belastung bei Kindern und Jugendlichen um zehn Prozent gestiegen und auch eine Zunahme an psychosomatischen Erkrankungen ist festzustellen.

Mit der Wahlfreiheit soll auch mehr Bildungsgerechtigkeit geschaffen werden. Während in München die Übertrittsquote an Gymnasien bei 60 – 80 Prozent liegt, ist sie im ländlichen Raum bei nur 25 bis 30 Prozent. Laut Statistik aber besitzen hier 15 Prozent mehr die Eignung. Diese aber bevorzugen den Besuch einer Realschule wegen des geringeren Nachmittagsunterrichts. Dass sich viele Schulleiter und Gymansiumlehrer positiv beziehungsweise nicht negativ über das G8 äußern liege laut Felbinger vor allem daran, dass diese seitens des Kultusministeriums „beeinflusst“ werden. Außerdem seien viele Vorsitzende von Eltern – und Lehrerverbänden „CSU – gelenkt“.

Die Freien Wähler wollen keine Rückkehr zum alten G9, da ihrer Meinung nach viele Schüler mit dem G8 ja auch zurechtkommen. In das neue G9 werden gute Erfahrungen wie die P- und W-Seminare oder die Intensivierungsstunden eingebaut. Der größte Gewinn aber liegt eindeutig in der Reduzierung der Wochenstundenzahl auf 30, wobei der Nachmittagsunterricht stark reduziert beziehungsweise ein verstärktes Wahlangebot in Anspruch genommen werden kann. Dies führe eindeutig zu einer wesentlichen Entlastung der Gymnasiasten und sie haben dann auch wieder mehr Zeit für sich selber, mehr Zeit zum Leben. Durch die neunjährige Schulzeit wird eine bessere Studierfähigkeit erreicht und mehr Zeit zum vertiefteren Lernen gegeben. Felbinger bezeichnete das G8 als „Turbo-Abitur“ und das neue G9 aufgrund seiner Wochenstundenzahl das „Tempo 30 Abitur“.

Für die Umsetzung der Wahlfreiheit gebe es zwei Möglichkeiten, nämlich dass sich kleinere Gymnasien ( bis zu 800 Schülern ) auf ein Konzept einigen, während die größeren beide Formen parallel anbieten können. Entscheiden hierüber soll das Schulforum, welches aus zwei Lehrervertretern, drei Elternvertretern sowie drei Schülersprechern und dem Schulleiter bestehe. Dies sei laut Felbinger die demokratischste Lösung.

Er widersprach auch dem Vorwurf, dass das neunjährige Gymnasium mehr Geld koste. Aufgrund der Stundenreduzierung gleichen sich die Ausgaben wieder aus. Außerdem muss der Inhalt eines Volksbegehrens ja auch kostenneutral sein und darf den Staatshaushalt zusätzlich nicht belasten.

Als Hilferuf der Regierung bezeichnete der Landtagsabgeordnete die geplante Einführung von „Spaenles Flexijahr“, welches sieben zusätzliche Förderstunden beinhaltet. Dazu meinte der anwesende Gymnasiumlehrer, dass bei der Vorstellung dieses Konzepts viele Schulleiter den Kopf geschüttelt hätten, aber keiner es wagte, etwas dagegen zu sagen. Seiner Meinung nach sind in der Stundentafel des neuen G9 vor allem in der Mittelstufe zu viele einstündige Fächer, was von den Schülern nicht so akzeptiert werde. Dazu meinte Felbinger, dass es sich momentan nur um eine Minimalstundentafel handelt wegen dem Volksbegehren. Weiterhin seien die Intensivierungsstunden vor allem in den fünften und sechsten Jahrgangsstufen enorm wichtig, da sich viele Kinder am Anfang sehr schwer tun. Kritisch angemerkt wurde in diesem Zusammenhang auch von einem weiteren Zuhörer,, dass zum Beispiel beim Probeunterricht fürs Gymnasium der Notenschlüssel nachgebessert wurde, um noch mehr Schülern den Übertritt zu ermöglichen.

Weiterhin kritisierte die Lehrkraft die Tatsache, dass er seine Anmerkungen auch an die Freien gemailt hätte, aber leider noch keine Antwort erhalten habe. Daraufhin entschuldigte sich Felbinger und meinte, dass sie die eingereichten Vorschläge sammeln, um dann alle zu einem persönlichen Gespräch einzuladen. „ Wir sind um jede Anregung dankbar und wollen so auch unser Konzept dementsprechend nachjustieren“, bekräftigte der bildungspolitische Sprecher. Klar wurde während der Diskussion auch, dass aufgrund des enormen Leistungsdrucks im G8 immer mehr Abiturientinnen und Abiturienten nach Abschluss eine Auszeit nehmen. Viele leisten ein freiwilliges soziales Jahr ( FSJ ) oder gehen als Au-pair ins Ausland. Um den Rückgang bei Sportvereinen etwas auszugleichen, würden jetzt viele Vereine in die Schule gehen, was aber nicht der Idealzustand sein kann.

Günther Felbinger ist sich über den Erfolg des Volksbegehrens sicher. So habe man bei einer Unterschriftenaktion in Würzburg allein an einem Tag 820 Unterschriften gesammelt. „Dies ist ein Vielfaches mehr als beim Begehren in Bezug auf die Abschaffung der Studiengebühren“, meinte der Abgeordnete siegessicher.

Überzeugt von der sachlichen und informativen Darstellung der Lage beschlossen die anwesenden Neustädter Freien Wähler mit ihrem Vorsitzenden Peter Reiser auch in der Kreisstadt die Unterschriftenaktion durchzuführen. „Jetzt können wir überzeugt auf die Leute zugehen und sie mit sachlichen Informationen aufklären“, fügte Bundestagskandidat Karl Meier hinzu.