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Jahreshauptversammlung

Die JHV findet am Mittwoch, den 15. Juni, um 19 Uhr im Gasthaus "Zum Weißen Rössl" statt

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Trösten statt bestrafen

Aufgrund des Unwetters wagten nur wenige den Weg ins Katholische Pfarrheim St. Georg zur Informationsveranstaltung der Freien Wähler zum Thema Crystal Speed. So beschlossen die beiden Referenten Stefanie Carrera von der Polizeiinspektion Weiden und Gerhard Krones , Leiter der Fachambulanz für Suchtprobleme in Weiden, eine lockeren Gesprächskreis durchzuführen. Dies entwickelte sich zu einer über zweistündigen, äußerst informativen aber auch emotionalen  Runde.
Krones überraschte  gleich zu Beginn mit der Tatsache, dass Crystal gar nicht so komplett neu ist, sondern dass bereits 1995 die ersten Konsumenten bekannt wurden. Außerdem wurde die Substanz bereits in den siebziger und achtziger Jahren als Peritin in Tablettenform konsumiert. Aber auch bereits im 2. Weltkrieg wurden zum Beispiel die Soldaten bei ihren Gewaltmärschen nach Stalingrad mit diesem Aufputschmittel versorgt.
Crystal wird im Vergleich zu anderen Drogen vermehrt in privaten Drogenküchen hergestellt, wobei auch in unserer Gegend drei bekannt wurden. Die Nachfrage in Deutschland und auch in Bayern ist sehr hoch, und deshalb werden auch im benachbarten Tschechien große Mengen produziert. „Crystal ist aber kein rein grenznahes Problem“, informierte der Suchtberater. „ Auf einem deutschen Flughafen wurden vor kurzem 35 Tonnen beschlagnahmt, und in Australien sogar ein Lager mit über 400 Tonnen ausgehoben, wobei die Hauptlieferungen aus Afrika und China stammen“, fügte Krones hinzu. Auch Polizeibeamtin Carrera sprach sich gegen die übertriebenen Pressemeldungen aus, in denen die Rede von einer Horror – und Monsterdroge ist und behauptet wird, dass gerade im Raum Neustadt und Weiden man gar nicht mehr von Crystal unberührt bleibt. „Aber auf der anderen Seite darf man auch nicht glauben, dass wir uns auf einer „Insel der Glückseligen“ befinden“, meinte Krones. Weiterhin wurde deutlich, dass der Drogenkonsum Querbeet geht durch alle Bevölkerungsschichten.  So gehören Schüler und Lehrer zu den Konsumenten ebenso wie Berufstätige und sogar Manager.
Provokativ meinte Krones, dass heutzutage das Konsumieren von Drogen genauso zum Erwachsenwerden gehört wie frühers das Rauchen oder das Biertrinken. Gerade die 13 – bis 16-Jährigen seien sehr risikofreudig und wollen bis an ihre Grenzen gehen beziehungsweise diese austesten. Dies wird auch durch die Tatsache bekräftigt, dass in der Oberpfalz bereits jeder zweite Jugendliche schon einmal mit Drogen in Berührung kam.
Carrera ergänzte hierzu, dass die Kinder in diesem Alter gerne in die Opposition zu ihren Eltern gehen, sich von ihnen abgrenzen wollen, ihren eigenen Weg gehen und deshalb auch ein Abwehrverhalten aufbauen. Deshalb spielt in dieser Phase auch der Freundeskreis, die Peergruppe, eine entscheidende Rolle .
Und gerade hier setzt aber auch die Möglichkeit der Eltern ein.  Entscheidend für das Verhalten des Jugendlichen ist hierbei seine Erfahrungen mit den Eltern in schwierigen Situationen, wie zum Beispiel bei schlechten Noten. Haben in solchen Situationen die Erwachsenen mit Strafen und Verboten gedroht, dann wird sich der Jugendliche sicherlich nicht vertrauensvoll an seine Eltern wenden können. „Wichtig ist es, dass die Eltern ihren Kindern gegenüber ein wertschätzendes Verhalten zeigen“, so Krones. „Ein tröstliche und gelassene Reaktion wäre hier angemessener“.  In diesem Zusammenhang räumte Krones auch mit dem Vorurteil auf, dass man bereits nach dem ersten Konsum von Crystal abhängig sei. Und deshalb könnten die Eltern gerade nach dem ersten Mal unterstützend auf ihr Kind einwirken.
Um die Symptome wie  Augenränder, glasige Augen, extrem kleine Pupillen, Muskelzucken  oder glänzend schwitzige Haut zu erkennen, müssen die Eltern wieder mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, die Alltagshektik verlangsamen und innehalten. Nur so können eventuelle Veränderungen erkannt werden.
Oftmals aber wollen die Eltern die Anzeichen gar nicht bemerken aufgrund deren Meinung „ aber mein Kind doch nicht“.  Auf gar keinen Fall dürfe man in Panik verfallen und man solle alles Ernst nehmen, was man erkennt. Schließlich sollte man sich dann einem professionellen Suchtberater anvertrauen.
Krones kritisierte, dass sich bei vielen Präventionsmaßnahmen immer nur auf die Jugendlichen gestürzt wird. Er sieht vor allem auch in den Eltern und Schulen mit ihren Lehrkräften wichtige Zentren der Präventionsarbeit.  „Sinnvoll wären in  diesem Zusammenhang Kooperationsnetzwerke, in denen man sich auch austauschen kann und über die Problematik reden kann“. Als oberstes Ziel muss den Jugendlichen das Gefühl gegeben werden, dass sie als Person angenommen werden, so wie sie sind. Dieser  wertschätzenden Umgang bedeutet, dass man deren Fähigkeiten sieht, und sie nicht aufgrund ihrer „Fehler“ und Schwächen aufgibt. Nur so gelangen die Heranwachsenden zu einem gesunden Selbstbewusstsein. Weiterhin sollten sie auf ein entsprechendes Verhalten in der Peergruppe vorbereitet werden.
Abschließend bedauerten beide „Referenten“, dass es viel zu wenige Kräfte für entsprechende Präventionsmaßnahmen gibt. Wie so mancher andere, sind auch sie an solchen Abenden ehrenamtlich unterwegs.
Ortsvorsitzender Peter Reiser bedankte sich mit einem kleinen Präsent für die überaus beeindruckende Gesprächsrunde.